Richtlinie-Richterausbildung

 

Richtlinie-Richterausbildung,
Stand: 09/2011 

Richtlinie zur Richterausbildung und Richterprüfung
 
Vorwort:
Die vorliegende Richtlinie wurde Ende 2009 in einem Arbeitskreis internationaler
Richter erstellt, mit dem Ziel, eine praktikable und zeitgerechte Richtlinie zu schaffen,
der sich möglichst viele freie Verbände/Vereine anschließen können. Sie soll eine
klare Leitlinie für Richteranwärter bieten und seitherige Definitionslücken schließen.
 
Nach ca. einjähriger Laufzeit und breiter Akzeptanz wurde die vorliegende Richtlinie
in 2011 mit Revision 1 weiterentwickelt. Damit wurden Erfahrungen und Anregungen
eingebracht die seit der ersten Veröffentlichung gesammelt wurden.


1.  Voraussetzungen für das Richterexamen

Um eine Richterprüfung ablegen zu dürfen, muss der Anwärter
  • mindestens 21 Jahre alt sein.
  • mindestens 3 Jahre Zuchterfahrung haben und sich eine schriftliche Empfehlung seines Vereinsvorstandes ausstellen lassen.
  • ein Richterschüler-Vorexamen mit Erfolg abgelegt haben. Damit müssen automatisch die Voraussetzungen des Vorexamens erfüllt sein, die vom Verband/Verein des Anwärters definiert wurden.
  • mindestens 15 Richterschülerzeugnisse in den Rasse- bzw. Varietätsgruppen haben, in denen das Examen abgelegt werden soll, unterzeichnet von mindestens 8 verschiedenen Richtern. Dabei müssen mindestens zwei Richterschülertätigkeiten bei einem ausländischen Richter im Ausland erfolgt sein.
Wurde ein Genetikseminar von mindestens 8 Std. absolviert kann es
ersatzweise für 3 inländische Richterschülerzeugnisse angerechnet werden.
Das Genetikseminar kann nur anerkannt werden, wenn es von einem
anerkannten Richter abgehalten wurde, der auch als Examinator auftreten könnte.

Für Folgeexamen sind mindestens 5 weitere Richterschülerzeugnisse
erforderlich, die von 3 verschiedenen Richtern unterzeichnet sein müssen.
Der Zeitraum zwischen dem 1. Richterschülerzeugnis und dem 1. Richterexamen
darf nicht  mehr als 2 Jahre betragen.
Ein Antrag zur Prüfungszulassung soll 6 Wochen vor Prüfungstermin in schriftlicher
Form bei den betroffenen Gremien vorliegen. Mit dem Antrag müssen die
erforderlichen Unterlagen für die entsprechende Prüfung eingereicht werden.
Sollten Prüfungen bei fremden Vereinen abgelegt werden, so ist ein Duplikat der
Prüfungsanmeldung beim eigenen Verein zur Kenntnis einzureichen. Sofort nach der
Prüfung, ist diesem auch das Ergebnis bekannt zu geben.
Die Prüfung muss von mindestens 2 Richtern abgenommen werden. Richter, die als
Examinatoren auftreten, müssen mindestens 2 Jahre Richter in der zu prüfenden
Rasse bzw. Varietät sein oder diese wenigstens 20-mal gerichtet haben.  Richtlinie-Richterausbildung,
Stand: 09/2011
 
Nur maximal 30% der Examen dürfen beim gleichen Verein oder beim gleichen
Examinator abgelegt werden.
Für Examen sollte sich ein Anwärter nur bei Vereinen anmelden, die eine seriöse
Richterausbildung ausdrücklich unterstützen. Auf keinen Fall darf der Anwärter
Bedingungen als Ausgleich für Ausbildung oder Examen eingehen, weder für
Geldleistungen noch für spätere Verpflichtung als Richter.
Vereine die Interesse an gut ausgebildeten Richtern haben, werden die Ausbildung
auch immer aktiv und kostenfrei unterstützen.
Eine praktische Richterprüfung ist nur möglich, wenn genügend Katzen der
entsprechenden Rasse bzw. Varietät gemeldet haben, und zwei geeignete
Examinatoren bereit sind die Prüfung abzunehmen.
Die theoretische und die praktische Prüfung werden in der Regel nach dem GCCF
Standard abgelegt. Abweichungen legt die Ausstellungsleitung zusammen mit den
Prüfungsrichtern und dem Prüfungskandidaten vorab  fest.

2.  Die theoretische Prüfung

Die Theorieprüfung besteht aus 3 Teilen:
a) allgemeiner Teil
b) Farbprüfung
c) rassespezifischer Teil

Am Anfang stehen allgemeine Fragen zur Katzengenetik und der Richtertätigkeit auf
Ausstellungen; mindestens 20 Fragen in schriftlicher Form.

Im weiteren Vorfeld der rassespezifischen Prüfungen stehen die Farbprüfungen,
unabhängig davon, mit welcher Rasse oder Farbe die Prüfung begonnen wird.

Die Farbprüfung ist in die nachfolgenden 5 Kategorien unterteilt. Jede Kategorie ist
mit mindestens 10 Fragen schriftlich abzuprüfen.

a)   alle klassischen Farben und deren Tortievariationen
b)   alle Silvers und Goldens außer Tabbies
c)   alle Tabbies
d)   alle Particolor incl. Harlekin und Van
e)   alle Colourpoints

Ein rassespezifischer Teil kann nur begonnen werden, wenn alle Farbprüfungen
abgelegt sind, die diesen Teil betreffen.

Beispiele zur Erklärung:
Will man Prüfung für BKH (alle Farben) machen, so müssen zuvor auch alle
Farbprüfungen abgelegt sein.
Will man nur Prüfung für Siam machen, so würde die Farbprüfung für Colourpoint
ausreichen. Nimmt man aber bei der Prüfung die OKH mit dazu, wären wieder die
Farbprüfungen in allen Kategorien erforderlich.

Die Farbprüfungen sind einmalig und gelten auch für andere Haarkategorien bei
Folgeexamen. Richtlinie-Richterausbildung,
Stand: 09/2011

Der rassespezifische Teil kann in den unter 4. aufgeführten Gruppen, sowie  einzeln
abgeprüft werden. Die Prüfung in Gruppen wird empfohlen. Es darf jedoch maximal
eine Gruppe pro Ausstellungswochenende abgelegt werden.

Für Hauptrassen sind mind. 10 Fragen in schriftlicher Form erforderlich, für
untergeordnete Rassen genügen 5 Fragen.

Ist ein Richter bereits in einer Haarkategorie Allroundrichter und hat in den anderen
beiden Haarkategorien mindestens eine Gruppe vollständig abgelegt, können
Folgeexamen auch in mündlicher Form erfolgen, wenn es beide Examinatoren im
Bezug auf Rasse und anwesende Katzen als sinnvoll erachten.  Eine mündliche
Form muss zwingend vor beiden Examinatoren erfolgen.

Die Prüfung erfolgt grundsätzlich ohne zur Hilfenahme von Büchern oder anderer
Hilfsmittel. Ein angemessener Zeitrahmen für die Beantwortung der Fragen wird von
den Examinatoren festgelegt. Die Antworten werden durch die beiden
Prüfungsrichter kontrolliert.

Die Prüfung ist bestanden, wenn 80% der Fragen richtig beantwortet sind. Sind nur
70% der Fragen richtig beantwortet, wird eine mündliche Nachprüfung erforderlich,
die vor beiden Examinatoren eine Aufwertung des zuvor erlangten
Prüfungsergebnisses darstellen muss. Sind weniger als 70% der Fragen richtig
beantwortet, gilt die Prüfung als nicht bestanden.

Erst wenn der Anwärter den theoretischen Teil bestanden hat, darf er die praktische
Prüfung ablegen.

Besteht ein Anwärter die Theorie nicht, darf er sie 2-mal wiederholen. Danach wird
empfohlen, den Anwärter nicht mehr zu weiteren Prüfungen in dieser Kategorie
zuzulassen. Die letztendliche Entscheidung darüber obliegt der Ausstellungsleitung
zusammen mit den Examinatoren.

Generell sind Ausstellungsleitung und die Examinatoren vom Anwärter in Kenntnis
zu setzen, wenn es sich um eine Wiederholungsprüfung handelt.

3.  Die praktische Prüfung

Die praktische Prüfung wird anlässlich einer internationalen Katzenausstellung im
Richterraum absolviert. Sie wird abgelegt, um beurteilen zu können, ob der Anwärter
die Katzen nach ihrem Standard beurteilen kann, vollständige Richterberichte
aufsetzen kann, Farbbestimmungen vornehmen kann, die Katzen platzieren und
seine Entscheidungen begründen kann.

Der Prüfungsrichterbericht beinhaltet die Nummer, die Rasse, das Geschlecht und
den Titel des Tieres, aber nicht dessen Farbe. Der Richterbericht des Anwärters soll
das gleiche Bewertungsergebnis aufweisen wie der des Bewertungsrichters. Sollte
eine Abweichung auftreten, muss das Tier geholt werden und der Anwärter muss
seine Angaben erklären. Es kann eine abweichende Meinung über ein Tier bestehen,
jedoch muss diese im Rahmen des Standards begründet werden können.

Der praktische Teil des Examens muss vor der Best in Show beendet sein. Richtlinie-Richterausbildung, Stand: 09/2011

Besteht der Anwärter die praktische Prüfung nicht, so kann er diese 2-mal
wiederholen, ohne die theoretische Prüfung nochmals ablegen zu müssen. Besteht
ein Anwärter die praktische Prüfung auch zum 3. Mal nicht, so muss auch die
theoretische Prüfung wiederholt werden.

Zuvor sind 5 neue Richterschülerzeugnisse erforderlich.
Die Anzahl der Katzen in der praktischen Prüfung muss in Relation zur Menge der
ausgestellten Rassen bzw. Farben stehen.

4.  Gruppen

1. Langhaar incl. Exotic Shorthair

a)   alle klassischen Farben und deren Tortievariationen
b)   alle Silvers und Goldens außer Tabbies
c)   alle Tabbies
d)   alle Particolor incl. Harlekin und Van
e)   alle Colourpoints
eine Zusammenfassung der Gruppen ist möglich, wenn alle Farbexamen bestanden
sind. Alle Gruppen müssen jedoch in angemessener Anzahl vertreten und abgeprüft
werden, ebenso beide Haarkategorien.

2. Halblanghaar

a)    HI. Birma, Ragdoll
b)    Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirische Katze incl. Neva Masquerade
c)    Türkisch Angora, (Türkisch Van incl. Türkisch Vankedisi)
d)    Somali
e)    Balinesen, Mandarin
f)     BLH, Selkirk LH, (Highland Fold, Cymric, American Curl LH)

3. Kurzhaar

a)  Siam/OKH, Thaikatze, (Tonkanese, Peterbald)
b)  BKH, Selkirk KH, (EKH, Manx, Scottish Fold, American Shorthair, Snowshoe, Chartreux,
     American Curl KH)
c)  Burma, (Tonkanese, Asian Group)
d)  Abessinier, (Singapura)
e)  Russisch blau, (Korat, Chartreux)
f)   Devon Rex, Cornish Rex, Selkirk (German Rex)
g)  Bengal, (Ocicat, Egyptian Mau, Savannah)
h)  Sphynx  (Don, Peterbald)

Für die Rassen in Klammer ist schriftliche Theorie oder praktisch/mündlich
ausreichend, wenn die Hauptrasse in Theorie und Praxis bestanden wurde. Als
Hauptrasse ist die jeweils Erstgenannte einer Gruppe zu verstehen.

Die Reihenfolge der Gruppen ist frei wählbar. Es ist auch möglich, für jede Rasse
eine separate Prüfung abzulegen.  Richtlinie-Richterausbildung,
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Bei den adäquaten Rassen gleichen Typs, aber unterschiedlicher Haarlänge,
beinhaltet ein Examen automatisch auch die komplementäre Haarkategorie.

Der Kandidat muss nicht Allroundrichter einer Haarkategorie sein, bevor er eine
Prüfung in einer anderen Haarkategorie ablegen kann.

Bei eventuellen Abweichungen beschließen die Ausstellungsleitung zusammen mit
den Examinatoren und dem Prüfungsanwärter.

Über bestandene theor. und/oder prakt. Examen erhält der Prüfungskandidat eine
Urkunde, in der die prüfungsrelevanten Rassen und Farben bzw. Blöcke aufgeführt
sind, und die von allen an der Prüfung beteiligten Richter und dem veranstaltenden
Verein unterzeichnet wird. Eine Kopie der Urkunde und die Prüfungsunterlagen
verbleiben beim veranstaltenden Verein.

Ein Richter darf sich dann  „Allbreed-Richter“ nennen, wenn ihm eine entsprechende
Urkunde ausgestellt wurde. Diese Urkunde muss neben dem ausstellenden Verein
von mindestens drei Allbreed-Richtern unterzeichnet sein. Der Anwärter ist
verpflichtet den Unterzeichnern seine gesamten Examenszeugnisse zur Prüfung
vorzulegen. Mit Ihrer Unterschrift bestätigen die Unterzeichner die Konformität mit
der vorliegenden Richtlinie.

5. Weiterbildung

Die aufgeführten Rassen stellen nur die Mindestanforderung dar, um den Status
„Allroundrichter“ für eine Haarkategorie bzw. am Ende „Allbreed“ zu erreichen.

Es wird dringend empfohlen die Ausbildung auf möglichst viele Rassen,
insbesondere auch neu aufkommende Rassen, selbstständig zu erweitern und durch
ein Examen abzuschließen.

Die kontinuierliche Weiterbildung auf neue Rassen oder Veränderungen ist für alle
Richter obligatorisch.

Umsetzung von Grundkenntnissen der Rassestandards anderer Organisationen,
welche bei Einladung zu diesen Vereinen erwartet werden, wird vorausgesetzt!


6. Ehrenkodex

Bereits während der Richterschülertätigkeit und den Examen sollte sich der Anwärter
einem ehrenhaften Arbeiten verschreiben, welches für eine erfolgreiche
Richterlaufbahn elementare Bedeutung hat. Dazu sollen nachfolgend ein paar
Kernpunkte mit auf den Weg gegeben werden:

- gerichtet wird grundsätzlich nach anerkanntem Rassestandard und Kondition der
Katze. Persönliche Vorlieben sind zu ignorieren.

- ein Richter stellt niemals eigene Katzen auf der gleichen Ausstellung aus, auf der er
richtet. Darunter sind auch Katzen zu verstehen, die in seinem Haushalt leben und
sachlich einem Familienmitglied oder Partner gehören.

- werden einem Richter Katzen zugeteilt, die aus seiner Zucht stammen, richtet er
diese Katzen ebenso objektiv wie alle anderen und lässt sich die Beziehung nicht
anmerken. Er redet nicht darüber, weder mit dem Aussteller noch mit Richtlinie-Richterausbildung,
Stand: 09/2011

Richterkollegen.

- ein Richter entscheidet nach seiner eigenen, sachlich fundierten Meinung und lässt
sich niemals beeinflussen, weder von Kollegen, noch von Ausstellern oder
Ausstellungsleitung.

- ein Richter akzeptiert und achtet seine Kollegen und deren Bewertungen. Auch
wenn er eine andere Meinung hat, versucht er nicht einen Kollegen zu dessen
Urteilsfindung mit Hinweisen oder Gestiken zu beeinflussen.
 


7. Schlussbemerkung

Jeder Richter und jeder Anwärter muss sich bewusst sein, dass die objektive und
faire Ausübung seines Ehrenamtes eine Schlüsselfunktion für den erfolgreichen
Fortbestand von Katzenausstellungen darstellt. Er muss alles tun, um den Ruf und
die Integrität der Richterschaft zu wahren.
 

Der Arbeitskreis
Die vorliegende Richtlinie wurde im September 2011 von den nachfolgend
unterzeichnenden Personen überarbeitet. Die Richtlinie wird von den Autoren allen
freien Verbänden/Vereinen in Deutschland für die Nutzung zur Verfügung gestellt.
Änderungen oder Abwandlungen sind nicht erlaubt.
 
Teilnehmer wären:
Jana Lahl, Albreed Richterin, Deutschland, Felina e.V.
Diana Neubauer, Allbreed Richterin & 1. Vorsitzende ICC e.V.
Burkhard Appelt, 1. Vorsitzender Berliner Pro Kat e.V.
Hans Klein, Allbreed Richter & 1.Vorsitzender 1. KRV e.V.
Andreas Kretschmer-Kraiczek, Allbreed Richter & 1.Vorsitzender KFG e.V.